Rhöner Mundart: Kind und Kirche – Teil 1: Es geäd nai di Kirch

Kind und Kirche ist nicht gleich Kinderkirche

Was nicht in den Akten (=aufgeschrieben) ist, ist nicht in der Welt.

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Teil 1: Es geht in die Kirche

Macht euch heraus aus euren Nestern (scherzh.), das Glöckchen hat schon geläutet.
Habt ihr euer Morgengebet gebetet?

„Jesulein lieb, Jesulein gut, mach dass dein Kind nichts Böses tut!“

Mit solchen Kleidern geht es aber nicht in die Kirche!
Macht euch fort, es schlägt zusammen!
Nimm dir Weihwasser, wenn du fortgehst!

Mache eine ordentliche Kniebeuge in der Kirche, keinen Knicks!
Zieh deine Mütze herunter, wenn du in die Kirche kommst! Das machen die Männer so und die Buben auch.

Nimm dir Weihwasser! Mache ein ordentliches Kreuzzeichen!
Ihr dürft nicht in die Bänke für die großen Leute!

Das sind die Stühle für die großen Mädchen und für die Frauen. Vorne sitzt die Pfarrersköchin. Die Mädchen sind links und die Buben rechts im Kirchenschiff, die Frauen hinten und die Männer oben auf der Empore, auf der ersten und der zweiten Empore, wo die Orgel ist, die war für die Männer aus Burkardroth.

Am Werktag war Frau Oberin (Klosterfrau und Lehrerin der Grundschule) die Organistin.

Heute war aber die Kirche voll. Die Leute standen im Mittelgang fast bis vor zur Kommunionbank. Ich musste beinahe hinaus, weil mir schlecht wurde.
Kniet euch einmal schön auf eure Bänkchen!

Dominus vobiscum- et cum spiritu tuo.

Es darf nicht geschwätzt werden! Da zieht einen Frau Bettina an den Haaren.
Der hat mich immer gestoßen und mit dem Ellbogen in die Seite gerammt.

Sursum corda- Habemus ad dominum.

Zeig mir mal deine Bildchen!
Schau einmal mein Hauchbildchen an (fromme Drucke auf Zellophan) Es biegt sich sehr schön (wenn man es anhaucht) Tauschen wir?

Kyrie eleison

Wenn ihr nicht pariert! Der liebe Gott sieht alles!

Heute hat der Pfarrer wieder erzürnt gesprochen von der Kanzel…
„Mein lieber Schieber! Bruder Herz!“ Ich habe nicht verstanden, was er wollte.
Es war, meine ich, heute für Eheleute, er hat sehr geschimpft, „Freund die Joppe“!

Anmerkung:
Zu Hause wurde darüber diskutiert, welche Kompetenzen und welches Recht der Pfarrer hätte, den Ehepaaren in ihre privaten Dinge zu reden.

„Suscipiat Dominus…“

Einige Schlawiner unter den Ministranten hatten herausgefunden, dass es hier ganz gut passt, wenn sie die Monatsnamen (statt des schwierigen lateinischen Textes) aufsagten: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni…“ eineinhalb Jahre… Amen!

Bei der Wandlung darf man nicht schwätzen!
Man schaut andächtig, klopft dreimal mit seinen Fingern an die Brust, wenn die Ministranten schellen und sagt: „Jesus, dir leb ich, Jesus, dir sterb ich, Jesus, dein bin ich tot und lebendig.“ Beim Kelch auch.

Da wird aus Brot und Wein Fleisch und Blut.

Wie?? Warum?- Darum!

Das ist eben ein Geheimnis, das muss man nicht verstehen.

„Hoc est enim corpus meum“

Das kam mir immer vor wie aus Opas Zauberbuch: „Hokuspokusmalokus“
Aber sage so etwas einmal laut! „Wer hat euch denn solche Sachen gelehrt. Tut man deswegen seine Kinder auf die Schule? Das musst du beichten.“

Oh, heute hat die Turmuhr während der Wandlung geschlagen, sicher stirbt einer in dieser Woche…

Gehst du zur Kommunion?

Wenn man zur Kommunion geht, darf man vorher nichts essen, nur einmal Wasser trinken. „Der isst und trinkt sich das Gericht!“

Oma hatte mich schon daheim beruhigt: „Mach dein Mündchen auf und strecke die Zunge heraus, dann legt dir der Herr Pfarrer die konsekrierte Hostie darauf, wie das alle Leute machen.

Nein, Blut musst du nicht trinken.

Von der Kommunionbank rennt man nicht so schnell zu seinem Platz zurück. Auf der Hostie beißt man nicht herum.“

„Heute konnte ich sie aber fast nicht hinunterschlucken.“

Wenn man in der Bank ist, hält man sich die beiden Hände vors Gesicht. Aber wie lange? Da kann man immer einmal herüber und hinüber spitzen, was die anderen machen.
Setzen durfte man sich nur bei der Predigt und wenn es einem eben schlecht wurde.

Das Knien sorgte bei etlichen Leuten für (sog.) „Katholische Knie“, besonders bei den alten Frauen. Manche von ihnen schauten ganz friedlich, aber andere Abgehärmte mit ihren Schmerzen wie die Muttergottes von Schmerlenbach. Die haben dem Herrgott halb die Füße heruntergebetet und wollten mit ihrem Beten ihr Seelenheil erzwingen.

Dann stellte man sich wieder auf vom Knien, für das Paternoster- Gebet.
Und was dann kam, darauf haben wir alle zusammen gewartet:

Ite missa est- Deo gratias!

Theo kratz die Katz (scherzh.), haben auch immer einmal die Lausbuben gesagt.
Dann war die Kirche aus.

Die nächste Folge erscheint kommenden Sonntag, „…um di näünde Schdunde.“

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