Rhöner Mundart: Kind und Kirche – Teil 2: Es geäd nai di Middoochs-Odoachd

Kind und Kirche ist nicht gleich Kinderkirche

Was nicht in den Akten(=aufgeschrieben) ist, ist nicht in der Welt.

Teil 2: Es geht in die Mittagsandacht

Die Andachten waren jeden Sonntag nach dem Essen, besser nach dem Spülen. Sie dauerten genau eine halbe Stunde und es wurden immer andere Gebete vorgebetet.

Das machte einen schon ein wenig müde, nach dem Schweinebraten mit Klößen und vielleicht noch einem Pudding.

Heute geht es in die CorporisChristi- Andacht!
Da geht es hinein, da gibt es keinen Pardon- Keine Widerrede!
Was?- Die Schatzinsel im Radio, statt CorporisChristi- Andacht??
Das könnte euch gerade so passen!

Da ist ausgesetzt (sakramentaler Segen) Wird dabei auch wieder mit Weihrauch geräuchert?

Ah, da wird es mir immer schlecht, das „mogg“ ich gar nicht.
Was heißt da „mogg“/mag? Der Mock (ein Familienname) wohnt in Geroda.

Es wurde das Tantum ergo gesungen . Laus et jubilatio….virtus quoque
Und am Ende vielleicht noch „…O Pia, o dulcis virgo Maria“?

Wenn es nur schon herum wäre…

Heute ist Christenlehre, da müssen alle Kinder hinein.
Dabei fragt euch der Herr Pfarrer aus.

Habt ihr euren Katechismus gelernt?
Wozu sind wir auf Erden?- Weil in der Bank kein Platz war (scherzh.). Du freches Mädchen!

Warum sagen wir Gott ist allwissend? Gott ist allwissend- Er weiß sogar unsere geheimsten Gedanken. Na gut, du weißt es ja.

Bei der Lauretanischen Litanei, die auch immer einmal in einer Andacht vorkam, ging es um Maria, „die ohne Erbsünde empfangene Gottesgebärerin“. Dabei konnte man viele Adjektive hören, aber auch Wörter, die man als Kind eben gar nicht versteht: Bundeslade, elfenbeinerner Turm, Königin der Patriarchen, Turm Davids…

Noch interessanter war die Allerheiligenlitanei. Dabei konnte man besondere Namen hören und musste immer aufpassen, ob es um einen oder zwei ging. Bitt für uns- bittet für uns.

Damals wurde auch schon für die Kirche gebetet: „Bewahre sie vor Missbrauch der Macht und allem Unrecht“- wir bitten dich erhöre uns.- Nun ja, das wurde nicht überall erhört, vielleicht waren die Menschen beim Bitten auch nicht so richtig bei der Sache.

Die Litanei vom Leiden Jesu war wie der Kreuzweg. Dazu hingen ja die Bilder an der Wand.

„Heute Abend ist Rosenkranz (Gebet), da will ich keine Widerrede hören! Wo hast du denn deinen kleinen Rosenkranz hingelegt, du alte Schlampine? Frag einmal den Antonius!“ (Heiliger)

Öfter wurden auch Kinder getauft. Sie lagen in einem Steckkissen. In Premich legte die Hebamme immer einen Rosenkranz unter das Köpfchen, damit dem Kindlein auch wirklich die Teufelchen ausgetrieben wurden, wie sie sagte. Das wollte sie sogar noch Ende der 1960er Jahre praktizieren.

Wir machten aber nicht mit. (weshalb sie uns als Sozis einstufte) Das ist die Wahrheit, die reine Wahrheit, nichts als die Wahrheit!

Wer ist denn die Patin/ der Pate? Einen Ringweck gibt es an Neujahr von der Patin/ dem Paten bis das Kind gefirmt wird.

Wenn es nur ein schwächliches Kind war, musste es auf der Stelle die Nottaufe bekommen. Das konnte jeder machen, damit das kleine Kind nicht in die Vorhölle kommen würde, zum Leibhaftigen, zum Gott-sei-bei-uns….Gnade Gott!

Diese Frau muss hinten am Waihwassertrog stehen bleiben. Die hat ein uneheliches Kind, das sie aus Frankfurt mitbrachte.

Warum? Darum! Das gehört sich eben so.

„Meinem Gott nur will ich geben Leib und Seel, mein ganzes Leben…“

„…und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“

Am Marienaltar wurde die Mutter ausgesegnet, weil sie unrein war, hieß es.

Später konnte man sich den Grund denken. Die ganze befleckte Empfängnis und das Zeugen, erst recht das Gebären war zwar genau so natürlich wie bei den Kühen,
aber eigentlich für derart heiligmäßigen Leute….eine Schweinerei!

Dabei kann man/frau schon unrein werden. Obwohl es zwischendurch hieß: „Die Frau ist gesegneten Leibes.“

Nun denn! Jetzt war sie wieder rein und konnte kommunizieren. Das war die Hauptsache!

Sollte sie sich aber in Platz (evangelisches Dorf in der Nähe) in einen Protestanten verguckt haben, hatte sie schlechte Karten.

Fortsetzung folgt!

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